Themen zum Wochenstart: Neue Video-Länge auf Twitter und Online-Kaufverhalten im B2B-Bereich

Twitter: 140 Zeichen und jetzt auch 140 Sekunden

140 statt 30 Sekunden, das hat Twitter kürzlich für die Länge von Videos auf der Plattform angekündigt (New Ways to tap into video on Twitter): Aber wie sinnvoll ist es wirklich und was bedeutet es für Unternehmen?

Laut einer Studie vom „National Center for Biotechnology Information“ aus 2015 liegt die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen bei rund 8 Sekunden mit abnehmender Tendenz über die letzten Jahre (vgl. Attentian Brain Statistics des Forschungsinstitutes Statistic Brain). Beim Goldfisch sind es etwa 9 Sekunden, wobei die Reize die auf einen durchschnittlichen Goldfisch einwirken vergleichsweise gering sind.

Die neue Videolänge soll mehr Spielraum für Kreativität bereitstellen, was Influencern mit einer starken Community entgegen kommen wird. Für Unternehmen bedeutet es aber weiterhin, dass die ersten 3 Sekunden über den Konsum eines Videos entscheiden und die Wahrscheinlichkeit ein Video länger als 20 Sekunden anzuschauen, extrem sinkt.

Nicht ohne Grund baute Vine seine Plattform um sechs-Sekunden-Video-Beiträge und YouTube integrierte die Möglichkeit der "Skip-Ad" Option bereits nach fünf Sekunden.

Schon die Übertragung des typischen Spannungsbogens aus TV 30-Sekündern, mit dem stärksten Branding und der Auflösung am Ende, ist nur schwer auf Online-Bewegtbild übertragbar und erweist sich als weniger erfolgreich.

Wer es nicht schafft die Aufmerksamkeit des Users in den ersten drei Sekunden zu gewinnen und innerhalb der ersten 20 Sekunden seine Kernbotschaft unterzubringen, vergibt die Chance auf einen erfolgreichen Kontakt, egal ob 10 Sekunden oder 2 Minuten Kreativität folgen.   

Fazit: Die neue Videolänge ist eine Chance mehr Inhalt zu platzieren. Ob es aber zwangsläufig zu mehr Kreativität führt, ist zu bezweifeln. Die wirkliche Herausforderung liegt weiterhin, in einem aufmerksamkeitsstarken, fesselnden Start: Denn Videos in Social Media sind der Elevator-Pitch des Online-Bewegtbildes.


Sind B2B- und B2C-Buyer wirklich so unterschiedlich in ihrem Online-Verhalten?

Nach einer Studie des Analytics-Dienstleisters GoodData zeigt die Mehrzahl der B2B-Käufer ein ganz ähnliches Rechercheverhalten, wenn es um die Anschaffung von neuen Dienstleistungen und Produkten geht, wie Privatpersonen. Die schließt auch das Fragen von Freunden, Bekannten und Kontakten über Twitter oder Facebook ein.

Der B2B-Entscheidungsprozess dauert länger, aber die Tools, die sie verwenden, sind ähnlich.

Eigentlich gar nicht so überraschend, denn hinter jedem B2B-Buyer steckt eine Privatperson und die hat gerade im Online-Bereiche einen Großteil ihrer Verhaltensmuster im Internet auch privat erlernt.

In kaum einem anderen Kanal verschwimmt die private und die berufliche Nutzung so stark wie Online und insbesondere Social Media.

B2C-Kunden haben einen besonders hohen Anspruch an einen emotionalen Mehrwert, während B2B-Käufer eher informative Inhalte präferieren. Dies ist die allgemeine Annahme in der Kommunikation. In Bezug auf Social Media und insbesondere Facebook müssen wir es unter Berücksichtigung der Studienergebnisse und eigener Erfahrungen relativieren. Die Ansprache erfolgt in einem persönlichen Umfeld und sollte auch dementsprechend erfolgen. Ob ein B2B-Käufer auch auf Facebook ansprechbar ist für berufliche Themen, hängt dabei stark von seinem persönlichen Involvement, seiner Begeisterung für seine Arbeit ab. Ihn auf emotionaler Ebene anzusprechen entspricht dem besten Fit  zum Kanal, für die Befriedigung des Informationsbedürfnisses gibt es auch andere Plattformen und Kanäle. 

Fazit: Hinter jedem B2B-Käufer steckt eine Privatperson mit gelernten Verhaltensmustern und Erwartungen. Die Ansprache muss im Einklang mit seiner Nutzungssituation und seinen Erwartungen an den Kanal stehen, das Prinzip „One-Fits-All“ stimmt auch im B2B-Marketing nicht und insbesondere nicht auf den Social Media Kanälen.