SEO

Shitstorm und organische Sichtbarkeit

Das eine oder andere Unternehmen ist bereits in einen „Shitstorm“ geraten. Die PR-Abteilungen arbeiten dann auf Hochtouren daran, die Gemüter zu beruhigen und einen möglichen Imageschaden abzuwehren. Wir untersuchen anhand zweier „Klassiker“, ob ein Shitstorm auch Auswirkungen auf die organische Sichtbarkeit der Unternehmenswebseite hat.


Nestle & Greenpeace

Im März 2010 wirft Greenpeace dem Konzern Nestlé vor, für seinen Schokoriegel KitKat Palmöl von einem Hersteller zu beziehen, der dafür verantwortlich ist, dass indonesischer Regenwald abgeholzt wird. So würden die letzten Rückzugsgebieter der bedrohten Orang-Utans zerstört. In einem Video holzt ein KitKat-Riegel Regenwald ab und tötet Orang-Utans. Schnell wurde das Video über Social Media Kanäle zum Klickhit und die Empörung war groß.

Auf die Firmenwebseite nestle.de hatte dies über 6 Monate betrachtet folgende Auswirkungen:


    Datum      Sistrix-Sichtbarkeit     Top 30 Keywords (Sistrix)
  22.03.2010
             9,192
                  624
  19.04.2010
             9,23
                  641
  17.05.2010
             9,69
                  746
  14.06.2010
             9,397
                  782
  12.07.2010
             9,661
                  797
  09.08.2010
             8,498
                  799


Die Sichtbarkeit der Webseite steigt zunächst leicht an, liegt nach 6 Monaten jedoch unter dem Ausgangswert. Die Anzahl der Top 30 Keywords ist monatlich gestiegen.

Google Trends für den Begriff „Kitkat“



Google Trends für den Begriff „Nestle“


Die Google Trends Daten zeigen, dass 2010 das Online-Interesse an „Nestle“ und „Kitkat“ zu keinem Zeitpunkt höher war als im März 2010.

Ergo & Partys in Budapest

Im Mai 2011 wurde bekannt, dass Vertriebsmitarbeiter der ERGO Lebensversicherung 2007 zu einer Sex-Party nach Budapest eingeladen wurden. Die Versicherung gab Ende Mai 2011 bekannt, dass die Kosten für die Party als Betriebsausgaben geltend gemacht wurden - die Öffentlichkeit war in Aufruhr.

  Datum     Sistrix-Sichtbarkeit     Top 30 Keywords (Sistrixs)
 02.05.2011
           1,576
                  65
 30.05.2011
           1,845
                  86
 27.06.2011
           1,879
                  105
 25.07.2011
           1,995
                  123
 22.08.2011
           2,275
                  143
 19.09.2011
           1,901
                  163



Über einen Zeitraum von 6 Monaten betrachtet ist die Sichtbarkeit schwankend, aber insgesamt gestiegen, ebenso hat die Anzahl der Top 30 Keywords zugenommen.

Google Trends für den Begriff „Ergo“


 
Die Google Trends Daten zeigen, dass 2011 das Online-Interesse an „Ergo“ zu keinem Zeitpunkt höher war als im Mai 2011.

Fazit

Es ist nicht festzustellen, dass eine negative Berichterstattung einen negativen Einfluss auf die Sichtbarkeit der Firmenwebseiten in google.de hat. Man kann eher von einem leicht gegenteiligen Effekt ausgehen: Die Sichtbarkeiten in google.de sind nach den Diskussionen etwas gestiegen, was sich auch über einen gewissen Zeitraum an gestiegenen Top 30 Keywords zeigt.

Mögliche Gründe:

Ein Großteil der Diskussion spielt sich auf Facebook oder Twitter und nicht auf den Firmen-Webauftritten ab. Leicht gestiegene Sichtbarkeiten sind vermutlich das Ergebnis von Backlinks aus Berichterstattungen anderer Webseiten. Es sieht nicht so aus, dass eine negative Diskussion – selbst wenn Google sie erkennen könnte – einen (negativen) Einfluss auf Rankings hat. Hier scheint sich eher die Quantität der Social Media Aktivitäten positiv auszuwirken. Inwieweit zum Zeitpunkt des Shitstorms die SEO-Aktivitäten der Unternehmen verstärkt wurden, konnte nicht berücksichtigt werden.

Was ist zu tun?

Wenn ein Shitstorm über ein Unternehmen hinwegfegt sollten sichergestellt werden, dass ein funktionierendes Social Media Krisenmanagement greift, das die Diskussion aufnimmt und lenkt. In diesem Fall unliebsame Kommentare zu löschen, zu ignorieren oder die Kritiker selbst anzugreifen darf als Tabu angesehen werden. Im Zweifel sollte sich das betroffene Unternehmen von Kommunikations-Experten beraten lassen. 
Aus SEO-Sicht ist es sinnvoll, eine Stellungnahme zur Kritik auf der Firmenwebseite selber zu veröffentlichen. Das kann in Form eines Artikels, Videos und/oder Infografik erfolgen. Auf diese Weise können Backlinks generiert werden und die Wahrscheinlichkeit, dass die Unternehmenssicht zum Shitstorm in den Suchmaschinen prominent rankt, ist hoch.