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SearchLove Boston – eine Liebeserklärung an SEM (und an Star Wars…. und an Einhörner)

Weniger ist oft mehr – und die SearchLove in Boston hat dies erneut bestätigt! Als quasi Kontrastprogramm zur letzten Campixx, in der ich mich vor lauter Auswahl an Beiträgen kaum entscheiden konnte, machte die SearchLove es mir einfach. Ein Raum, ein Slot und eine Menge guter Redner.

Am 3. und 4. Mai lud Distilled in das Convention Center der Harvard Medical School zum Auftakt der nächsten SearchLove Reihe, die nach Boston auch in London (17.-18.10.2016) und in San Diego (23.-24.02.2017) stattfinden wird. Die Single Slot Konferenz überzeugte durch die hohe Qualität der Beiträge und die leidenschaftlichen Referenten.

Insgesamt 16 Beiträge zu den Themen Local SEO, Content Marketing, E-Mail Marketing sowie zu neuen Trends und Entwicklungen im Bereich des Suchmaschinen Marketings wurden mit viel Charme, Witz und vor allem Begeisterung für das jeweilige Thema vorgetragen.

Den Anfang machte am Dienstagmorgen Wil Reynolds, Gründer der Agentur Seer Interactive. Er überraschte die Zuschauer nicht wenig, als sein Vortrag nach kurzer Einleitung über neue Suchanfragen und -ergebnisse zu einer Lektion in Unternehmens- bzw. Mitarbeiterführung wurde.

„It´s all about the framework!“ – statt viel Inspirations- und Ideensammlung, die anschließend zu keinem Output führt, zeigte uns Wil seine Ideen und Methoden, wie er in seiner Agentur dafür sorgt, dass die Dinge tatsächlich und vor allem konsistent angegangen werden. So wurde aus einem Beitrag über Scorecards und ihren möglichen Einsatz im SEO-Business ein sehr persönlicher Vortrag mit vielen Insights zu Themen, die so ziemlich jeden Agentur-Mitarbeiter betreffen.

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Die erste Star Wars Präsentation des Tages hielt Marcus Tober. Searchmetrics war dieses Jahr einer der Hauptsponsoren der SearchLove und gewährte einen interessanten Einblick in aktuelle Daten und Forschungsergebnisse. Marcus sorgte mit seinem Beitrag bei mir als Hamburgerin für einen ersten Anflug von Heimweh („Moin Moin – people from the north even say it in the evening“ – Lieber Marcus, Moin heißt nicht „Morgen“. Daher passt Moin immer!) und danach bei allen Star Wars Fans für Kribbeln im Bauch.

Sein Präsentations-Vorspann à la Star Wars und die Grafik(-Effekte) sorgten in der Pause für mindestens genauso viel Gesprächsstoff wie der Inhalt seiner Präsentation. Marcus untersuchte ganz einfache SEO Tipps auf ihre aktuelle Gültigkeit. Muss das Keyword immer noch im Meta-Title stehen? Ist eine Seite pro Thema immer noch die Vorgabe? Die Antwort: es kommt darauf an. Und zwar auf die Branche. 

Marcus zeigte eine Analyse verschiedener Rankingfaktoren für die Branchen eCommerce, Finanzen und Gesundheit. Je nach Branche variieren die Ausprägungen und Korrelationen enorm! So ist die Platzierung des Keywords im Meta Title für die Finanzbranche heutzutage so gut wie überflüssig, während im Gesundheitsbereich immer noch viele gut platzierte Seiten das Keyword integriert haben. Marcus kündigte eine neue Analyse von Searchmetrics an, die genau diese Branchenunterschiede aufzeigen soll. Sehr spannend und wir freuen uns auf die Ergebnisse!!

Die zweite Star Wars Präsentation folgte am Nachmittag: Emily Grossman zeigte mit ihren „Mobile Jedi Mind Tricks“ wie die Suche auf dem Mobiltelefon in Zukunft funktionieren wird und was es dabei zu beachten gilt. Mobil-friendliness, gute User-Experience und adäquate Ladegeschwindigkeit sind dabei nur die Basics. Interessant wird in Zukunft die Indexierung direkt aus Apps und die Zusammenwirkung mit Google Programmen, z.B. Google Now, und der Voice Search.

Als letzter Redner des ersten Tages betrat Rand Fishkin von Moz die Bühne. Auch er punktete mit einem sehr persönlichen Vortrag über harte Arbeit und deren Wirkung. Sein Appell: Nicht nur die Ergebnisse betrachten, sondern die Arbeit messen! Wahrscheinlich spricht er damit so gut wie jedem SEO aus der Seele, die früher noch Zeiten von direkten Rankingveränderungen gewohnt waren und heute einen langen Atem brauchen. 
Er rät die Arbeit, die hinter der Optimierung steckt, sichtbar zu machen. Denn nicht immer wird die Arbeit auch durch die Metriken deutlich, auf die wir uns im Bereich SEO konzentrieren. Arbeit messen, die Metriken dahingehend anpassen und die richtigen Ziele setzen. Denn nur wenn diese drei Kategorien auf einander abgestimmt sind, kann auch der Wert der Arbeit geschätzt und Projekte erfolgreich gesteuert werden.

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Der zweite Tag der SearchLove begann und endete mit einem Blick in die Zukunft: zum Start zeigte Will Critchlow von Distilled seinen Ausblick auf die Entwicklungen im Bereich Suche. Implizite Signale, die mit den Suchanfragen verbunden sind, werden immer mehr und vor allem immer mehr berücksichtigt. Wo befindet sich der User, welches Gerät nutzt er? – Dies sind nur die simpelsten Informationen. Interessanter wird es, wenn Google bald aufgrund von Suchhistorien die nächsten Suchanfragen antizipieren kann, bevor wir wissen, wonach wir eigentlich suchen. So könnte die Planung einer Hochzeit bspw. mit der Suche nach einem Standesamt beginnen und ziemlich sicher folgen dann auch noch Suchanfragen zum Thema Party-Planung, Menü-Planung, Kleiderkauf und Blumen-Dekoration.
Auch die Weiterentwicklung von miteinander verbundenen Suchanfragen wird SEOs vor eine Herausforderung stellen. Bisher ist dies auf dem Desktop kaum umsetzbar, aber über die Sprachsuche werden Compound Anfragen wie z.B. „wie groß ist Obama?“ – 1,85m / „Und seine Frau?“ – 1,80m bereits beantwortet. Für die Analyse von Suchvolumina natürlich nicht besonders hilfreich. Die App Hound ist dabei besonders hervorzuheben – sie lässt aktuell bei der Beantwortung von komplexen, zusammenhängenden Fragen alle Konkurrenten hinter sich.

Zum Ende des zweiten Tages folgten wir Zuschauer dann Larry Kim auf seiner Zeitreise. Er wurde aus dem Jahr 2020 zu uns geschickt, um uns heute zu erzählen, wie wir die SEO Apokalypse überleben und Rankings auch in den Zeiten von RankBrain und Co. erhalten können. Er zeigte uns dafür, wie wir Donkeys (Esel = schlechte Seiten) identifizieren und in Unicorns (Einhörner = gute Seiten) verwandeln. Den zugehörigen Donkey Detector und den Donkey-Unicorn-Converter brachte er auch gleich mit. Wenn wir uns jetzt auf die Zukunft vorbereiten, in dem wir schlechte Seiten eliminieren, unsere Bounce Rates und Click-Through-Rates optimieren und facebook Ads und Remarketing nutzen, um unsere Marke schon vor der Suchanfrage im Kopf der User zu positionieren, dann haben wir nichts zu befürchten.

Mit diesem Beitrag und vielen Einhörnern endete die SearchLove. Selten habe ich so leidenschaftliche Redner gehört, die nicht nur unterhaltsam sondern auch fachlich extrem tiefe Einblicke in ihre Spezialgebiete gegeben haben. Eine wirklich sehr lohnende Konferenz, die durch Konzept und Auswahl der Beiträge auf jeden Fall überzeugt.

Wer mehr über die Vorträge erfahren möchte, findet auf Slideshare die Präsentationen aller Redner. Auch wurde fleißig während der Konferenz getweetet = #searchlove.

Vielen Dank an Distilled für die super Organisation! Wir freuen uns schon auf die nächste SearchLove!