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Online Marketing Rockstars 2016 Recap

OMR2016 in Hamburg

In der letzten Februarwoche fand in Hamburg die mittlerweile legendäre Online-Marketing-Rockstars-Konferenz statt, zu der explido»iProspect ein gutes Dutzend seiner besten Fachkräfte aus den Bereichen SEO, SEA und weiteren Performance-Kanälen entsandte.

Uns erwartete eine gute Mischung aus Information und Unterhaltung: Hochkarätige Redner aus der ganzen Welt stellten uns ihre Sicht der Dinge dar. Manches war überraschend und manches inspirierend. Langweilig wurde es selten.

Was 2012 mit nur 200 Gästen begonnen hat, ist über die Jahre zu einem Event mit über 16.000 Besuchern gewachsen, bei dem sich die Branche trifft und mittlerweile zwei große Hallen der Hamburger Messe füllt.

Am Freitag geht es in Rockstars-Manier auf drei großen Leinwänden los. Philipp Westermeyer ist der Moderator, der uns den ganzen Tag On Stage begleitet obwohl er eigentlich krank ist. „Wir fangen an mit der Sicherheitsschulung. Aber wir machen es auf unsere Weise“. Getreu dem Motto werden wir vom Safety Fürst (alias „Das Bo“) vor  möglichen Gefahrensituationen gewarnt: „Rennen Sie nicht gegen den Kamerakran! Niemand möchte ihr offenes Gehirn sehen!“

Das Publikum ist in Stimmung, aufgelockert und bereit für die Redner des Tages:

• Scott Galloway – Media and marketing tomorrow

• Fany Pechiodat – How to break the newsletter codes and monetize a community

• Neil Patel – Engineering growth

• Christian Schmalzl – Inside the leading national advertising house

• Yaron Galai – The new world of content promotion

• Angie – Spreading content on Instagram

Die folgenden Vorträge haben mich besonders beeindruckt, was natürlich nicht heißen soll, dass die anderen nicht auch interessant waren.

Scott Galloway – The Gang of 4

Scott Galloway ist der erste Redner. Ein Professor für Marketing in der New Yorker Stern School für Business entert die Bühne, zweifellos ein Intellektueller. Für ihn ist das Glas nie halb voll, sondern immer halb leer. Man stellt sich nächtelange Diskussionen zwischen ihm und seinen Studenten vor. Zum Teil nachzuvollziehen auf Twitter:  https://twitter.com/profgalloway

Sein Thema auf der OMR2016 waren die „Gang of 4“: Apple, Facebook, Google und Amazon.

Sie bestimmen den Markt. Sie werden alles verändern. Galloway stellt Marktanteile, Wachstumszahlen und Umsätze gegenüber und findet heraus, dass sich allein Apple im vergangenen Jahr um 51 Milliarden Dollar vergrößert hat. Das entspricht dem Gesamtumsatz von Louis Vitton, Richemont, Micheal Kors, Coach, Kering, Prada und Hermès zusammen.

Galloway macht seine Meinung sehr deutlich: Willst du Karriere machen? Willst du erfolgreich sein? Dann musst du zur „Gang of 4“. Für alle anderen Firmen wird es schwierig, sie dienen der Gang of 4 lediglich als sehr effiziente Personalbeschaffer.

Diese Konzentration kann auf Dauer dem Markt nur schaden. Und darüber ist Galloway sehr besorgt. Und dann setzt er seine Perücke auf und zieht seine totschicke Felljacke an und singt „Hello“ von Adele, bzw. zappelt dazu über die riesige Bühne. Warum? Weil er’s kann.

Hängen bleibt, dass das alles ganz schön doof wird, wenn es so wie prognostiziert weitergeht. Also kauft mal wieder im Laden um die Ecke. Apropos Laden: Amazon hat einen echten Laden eröffnet, indem man bestellte Sachen abholen und wieder zurückbringen, Kindls und weitere Amazon-Hardware testen kann.


Fany Péchiodat– My little Paris

Fanny Péchiodat, die nächste Sprecherin, wollte niemals auf einer Bühne stehen und Vorträge halten. Deshalb sitzt sie auf einem Sessel neben Philipp Westermeyer und führt mit ihm ein Gespräch. Sie erzählt wie sie mit Newslettern an 50 Freunde das Unternehmen My Little Paris gründete, das heute in vier Ländern operiert und zigtausende von zufriedenen Kunden besitzt.

Das ist eine optimistische Geschichte, die einem warm ums Herz werden lässt.

Angefangen hat sie 2008 mit besagtem Newsletter, der alles Neue und Inspirierende zeigen sollte, und zunächst für 50 Freunde und Bekannte bestimmt war. Aber schnell wurden es mehr, sehr viel mehr Abonnenten. Heute sprechen wir von über 1,5 Millionen Abonnenten. Doch wie hat sie diesen Sprung geschafft?

Die Newsletter sind zum Beispiel mit individuell angefertigten Zeichnungen dekoriert. Das wirkt alles sehr entzückend. Es erinnert an frühere Zeiten, als man seinen Freunden noch Briefe mit der Hand schrieb, weil es auch gar nicht anders ging. Solche Newsletter erhält man gerne. Man bewahrt sie sogar auf. Nicht wenige werden sie ausdrucken und im eigens angelegten Ordner abheften. Der Inhalt der Newsletter war emotional, sehr weiblich und persönlich gestaltet. Es wurden kleine Geschichten erzählt und man kann sich vorstellen, wie sich die Abonnenten jedes Mal freuten, wenn ein neuer Newsletter eintraf. Irgendwann rang sich Fany Péchiodat dazu durch, den Newsletter zu monetarisieren. Die „Sponsored E-Mails“ waren aber ebenfalls im Look and Feel der My Little Paris-Mails gestaltet. Das war für die Werbetreibenden schwer zu verstehen, aber es musste sein.  

 „We need more than campaigns. We need stories“ - Der Leser soll unterhalten und nicht nur informiert werden.

Mit My little Box  erschließt Fany Péchiodat 2011 einen neuen Vertriebsweg. Sie schickt dem Kunden einmal im Monat eine bunte Mischung aus einem Magazin und neuen Trends aus Mode und Beauty. Von ihren Newsletter-Abonnenten konnten so 5% angeworben werden. Klingt wenig, sind aber tatsächlich 80.000 Käufer.

Zum Aufbau einer solchen Community benötigt man laut Fany:

  1. Generosity (Gib deinen Kunden bevor du nehmen möchtest, sei großzügig)
  2. Story (Erzähle deinem User interessante, spannende Geschichten, keine Verkaufsstories)
  3. Sincerity (Sei respektvoll deinem User gegenüber)

Und so gelingt ihr, erfolgreich ein Unternehmen zu leiten und das zu tun, was sie gerne tun möchte. 

Angie – Spreading content on Instagram

Mit Angie erklimmt eine junge Frau aus Atlanta, Georgia die Bühne. Angies ursprünglicher Plan war eine Webseite aufzusetzen. Leider wusste sie nicht wie das geht und hat stattdessen einfach den Instagram-Channel „The Shade Room“ gegründet.

Elementarer Bestandteil des Channels ist die Community, deren Mitglieder Roommates genannt werden. Diese Benennung betrachtet Angie als die Grundlage des Erfolges, weil die User sich dadurch persönlich angesprochen fühlen. Worum geht es in „The Shade Room“? Einfach um News rund um VIPs und Celebrities. Die Newstexte werden bewusst sehr kurz gehalten, weil keiner Lust hat lange Texte zu lesen. Stattdessen hat sich Angie dafür entschieden, die Frequenz der Veröffentlichungen zu erhöhen und einen halbstündigen Takt einzuhalten. Die Leser sehen also ständig nach, ob es etwas Neues gibt. Das erhöht wiederum die Bindung. Content-Lieferanten sind die 3,7 Millionen Follower, die eine Riesenarmee von Paparazzis darstellt. Und auch die Celebrities selbst kommentieren und posten auf der Plattform, sobald sie merken, dass etwas über sie geschrieben wurde. The Shade Room ist besonders in der afro-amerikanischen Community verankert und bezeichnet sich als „the black Twitter“.

Mit Merchandising verdient „The Shade Room“ jetzt auch richtig Geld. Ein markanter Spruch eines Promis wird umgehend auf Shirts oder Basecaps gedruckt und direkt am nächsten Tag verkauft.


 

Frisch gestärkt geht es nach der Pause mit vollem Programm weiter:

• Bonin Bough – Social media stunts for corporates

• Julian Reichelt, Paul Ronzheimer, Marcus Tober – The new content landscape – Player, Chancen, Rollen

• Tim Leberecht – Romantic marketing

• Stefan Ropers – Between content and data: the power of great experiences

• Tony Hawk – Me, a brand

Bonin Bough – Social media stunts for corporates

Nach der Mittagspause kam mit Bonin Bough ein echter Marketing Rockstar auf die Bühne. Der Chief Media & eCommerce Officer bei Mondelez trug seine Marketing Message mit großer Überzeugungskraft vor. Bonin Bough war der erste Redner, der die riesige Bühne wirklich ausfüllte. Man stellte sich unwillkürlich von ihm geleitete Monatsmeetings vor und lauschte lieber respektvoll. Sein Credo hingegen war weniger glamourös. Das wichtigste für seine Arbeit wären die Daten, gab er zu. Er zeigte einige gute Kampagnen, wie die, in der sich interessierte Oreo-Keksfreunde einen Keks samt Füllung in einem gewaltigen 3D-Drucker selber ausdrucken konnten. Bough setzt auf die Smartphone-Begeisterung der Gesellschaft (weltweit haben angeblich mehr Menschen ein Smartphone als eine Zahnbürste) und schafft mit „Twist, Lick, Dunk“ ein mobiles Spiel, das Spaß macht und daher positive Auswirkungen auf die Marke Mondelez hat. 

Tim Leberecht – Romantic marketing

Tim Leberecht hielt den in meinen Augen überraschendsten Vortrag. Er plädiert für mehr Romantik im Marketing. Damit meinte er keine Candle-Light Mittagessen, sondern die Abkehr von der datengenerierenden Auswertung von allen Lebensbereichen. Er widerspricht damit der Planbarkeit und Zählbarkeit. Er möchte Illusionen erzeugen, Erlebnisse genießen und wieder schätzen lernen, was nicht messbar ist. Er spricht damit sicherlich allen aus der Seele, die sich in der Marketing-Branche ab und zu mal eine Auszeit von KPIs und Buzzwords wünschen.

Und auch ein paar echte Rockstars!

Um ihrem Namen gerecht zu werden, hat die OMR 2016 auch ein fast spektakuläres Rahmenprogramm zusammengestellt. Zunächst sorgte Jan Delay mit seinen großartigen Backgroundsängerinnen für Superstimmung. Selbst wenn er mit Online Marketing nichts am Hut hatte (O-Ton: Schnarch…). Und dann kam mit Udo Lindenberg nicht nur ein zweiter Hutträger auf die Bühne, sondern das musikalische Idol meiner Kindheitstage. Besser konnte es zumindest musikalisch nicht mehr werden. Gemeinsam sangen die beiden Herren „Reeperbahn“. Udo Lindenberg rührte mich dann noch mit „Horizont“ und sorgte für einen grandiosen Break in der Vortragsreihe.

Udo

Fazit

Diese Konferenz bot einige überraschende Einsichten durch die verschiedenen Persönlichkeiten der Redner und ihre ausgewählten Themen. Auch wenn wir nicht alles davon ins Tagesgeschäft einer Agentur überführen können, waren es sehr interessante und lehrreiche Tage. 

Immer noch lustig: Der Liveticker zur Konferenz: http://www.onlinemarketingrockstars.de/liveticker/