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April, April: Google Parrot-Update, ab Mitte April auch in Deutschland

April, April: Google Parrot-Update, ab Mitte April auch in Deutschland

Seit Wochen rätselt die Branche darüber, mit welcher Algorithmus-Änderung Google die Welt als nächstes überraschen wird.  Ben Gomes‘ (Google Urgestein) Versprechen eine alle bisherigen Maßstäbe sprengende Maschinenintelligenz vorzustellen, ließ die Spannung beinahe unerträglich werden. Denn Ben Gomes ist nicht irgendwer. Er ist unter anderem der Erfinder des Knowledge Graphs, einem brillantem „Abfallprodukt“ auf dem Weg zu echter Maschinenintelligenz. Gomes gehört nicht zu den Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Er findet im Gegensatz zu anderen Amerikanern nicht alles „phantastic“ und „brillant“ oder „extraordinary“. Um ihn zu begeistern braucht es mehr als einen gelungenen Absatz Programmiercode. Und daher war die interessierte Internetgemeinde gespannt wie ein Flitzebogen als sie von Gomes‘ Ankündigung erfuhr.

Seit gestern ist die Katze aus dem Sack. Seit Mitternacht wird das Parrot-Update ausgerollt, zuerst in USA, nach der üblichen Testphase dann auch nach und nach in der übrigen Welt. Und Gomes hat nicht zuviel versprochen. Wenn man den Verlautbarungen glauben darf, und das darf man, hat er es geschafft, der Suchmaschine Google menschliche Augen zu geben.

In Zukunft wird Google die Webseiten so sehen, wie der Mensch sie sieht und darauf reagieren, wie Menschen auf gute oder schlechte Seiten reagieren.

Wie das Parrot-Update (Papageien-Update) die Welt wieder ein wenig besser machen soll, erklärt Gomes im Interview mit Matt Cuts ganz unspektakulär so:

„Wenn Sie eine Webseite haben, deren Inhalt in Ordnung ist und vielleicht sogar interessant geschrieben ist, aber die Farbe des Hintergrundes rosa und die Schrift beige, wird sich kein Leser die Mühe machen, nach den Inhalten zu forschen. Auch können bestimmte Farbzusammenstellungen sogar zu Gesundheitsproblemen bei sehr empfindlichen Menschen führen. So können zum Beispiel schwarze Seiten mit kontrastreicher Schrift zu Augenflimmern und damit zu Kopfschmerzen führen. Auch diese Menschen werden in Zukunft geschützt durch Parrot.“

Das Parrot-Update kümmert sich um die Farbgebung und das Design der Seite unter der Fragestellung: Passt die Farbgebung zum Inhalt?

Googles Versuche einer künstlichen Intelligenz erreicht definitiv mit Parrot ihre nächste Stufe. Nach dem Verstehen und Bewerten von Content, in erster Linie Text, kamen das Verhältnis von Text und Bild/Grafik und weiteren gestalterischen Elementen hinzu. Seit einiger Zeit erkennt Google auch den Inhalt von Bildern und Videos. Somit war es ein logischer Schritt die Farbgebung und Gestaltung einer Seite in Verhältnis zu dem Content zu setzen.

Damit ist Google der ganz große Wurf gelungen. Die eingesetzten Algorithmen werden nun erkennen, ob eine Seite in angemessenem Umfang Informationen in Text und Grafik zu einem bestimmten Thema liefert und ob diese Seite angemessen zum Inhalt koloriert und gestaltet ist. Das heißt, den Leser auch gestalterisch anspricht. Das Hirn hat ein Herz bekommen, so könnte man salopp formulieren.

„Bisher haben wir ein grobes Raster vorgesehen, das die Seiten nach dem Parrot-Score einteilt“, erläutert Gomes. „ Die schlechteste Bewertung nennen wir „Norwegian Blue““, sagt Gomes und lächelt verschmitzt.

Dann erklärt er, dass er ein großer Verehrer der britischen Comedy-Truppe Monty Python ist. Nach deren Dead-Parrot-Sketch (https://www.youtube.com/watch?v=4vuW6tQ0218) benannte er die schlechteste Stufe des Parrot-Scores.

Wer in seinem Google Webmastertool eine Mitteilung erhält, dass seine Seite eine Einstufung als Norwegian Blue (dt. Norwegischer Blauling) erhält, hat die Möglichkeit nach einer Re- oder Umkolorierung  einen Reconsideration Request zu stellen.

Systemimmanent wie die Bewertung selbst, sind die Bewertungsstufen des Parrot-Scores scheinbar willkürlich eingeteilt. Alle Stufen haben Namen von Papageien oder papageienartigen Vögeln.

  1. Liegender norwegischer Blauling (Nowegian Blue) – schlecht
  2. Hellroter Ara (Scarlet Macaw) – ganz ok
  3. Rotmaskierter Zwergpapagei (Red-masked Parakeets) – sehr gut
  4. Inka-Kakadu (Pink-Cocatoo) – besser geht es nicht.

Der Norwegian Blue wird die Seiten „auszeichnen“, die im Verhältnis zum Inhalt am schlechtesten oder sogar falsch koloriert sind. Als Beispiel: ein Beerdigungsinstitut mit den Randfarben grün-gelb-schwarz und schwarzer Schrift in gelben Kästen mit drehenden Logos. Aber auch Bannerwerbung sollte sich dem Thema der Seite angemessen nähern.

Es geht bei der Bewertung also nicht darum, knallbunte Seite zu fördern oder langweilige hellgraue Schrift auf weißem Hintergrund. Die Farbgebung soll dem Inhalt angepasst sein.

So kann eine Seite, die Karnevalskleidung verkauft, durchaus gut gestaltet sein, wenn sie mit gestreiftem Hintergrund und bonbonfarbenen Girlanden dekoriert ist. Der Webauftritt eines Beerdigungsunternehmens hingegen kann mit schwarzer Schrift auf hellgrauem Untergrund auch durchaus dem Anlass passend koloriert sein (obwohl gerade in diesem Beispiel der Norwegische Blauling eigentlich besser passen würde).

Einen Extra-Score soll es geben, wenn die Seite dem aktuellen Anlass gemäß gestaltet ist. So kann ein Shop für TV-Geräte oder Sportschuhe im olympischen Jahr durchaus alle Farben der olympischen Ringe aufweisen, oder im Jahre einer Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaft in den Farben Schwarzrotgold glänzen. Hierfür sollte aber die Topleveldomain „de“ sein. Eine italienische Seite sollte hingegen Schwarz-Rot-Gold meiden (!) – selbst wenn es schwerfällt.  Ein Bezug zu dem jeweiligen bevorstehenden oder aktuell stattfindendem Ereignis sollte erkennbar sein.

Die besten Seiten erhalten die Premiumbezeichnung: Inka-Kakadu. Der kommt vor allem in Neuseeland vor und gilt vielen als schönster Vogel der Welt (http://de.wikipedia.org/wiki/Inka-Kakadu). Als augenzwinkernder Zufall gilt die Tatsache, dass Neuseeland von Norwegen aus gesehen fast genau auf der anderen Seite der Welt liegt. Webseiten, die einen Inka-Kakadu erhalten, gehören zu den besten Seiten des Internets. Google wird in Kürze auch eine diesbezügliche Zertifizierung mit Logo einführen, das man über sein Webmaster-Tool-Konto kostenlos beziehen kann.

Zwischen den beiden Polen liegen die Zwischenstufen Ara und Zwergpapagei.

Der Google Masterplan sieht außerdem vor, die Qualitätsstufen des Parrot-Scores direkt in den in den Suchergebnissen anzuzeigen. Das soll die Webmaster noch mehr dazu inspirieren einen Liegenden Norwegischen Blauling in einen Hellroten Ara zu verwandeln, als die Ermahnungen im Webmastertool es jemals könnten. Denn manuelle Abstrafungen und damit verbundene Rankingverluste wird es durch das Parrot-Update erst einmal nicht geben. „Dazu hat die Bewertung zu sehr mit Geschmack zu tun“, gibt Gomes zu.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es Google mit dem Parrot-Update gelungen ist, Geschmack und Empfinden maschinenlesbar zu machen. Ein erster Brückenschlag von der digitalen in die reale Welt ist damit gelungen.

Der Parrot-Score im Bild:

Parrot-Score

Bilder/Fotos aus http://pixabay.com