Neuerungen in Google Shopping

Vor genau 10 Jahren startete Google seinen Produktsuchdienst unter dem Namen Froogle. Google Shopping, wie dieser Dienst heute heißt, ist für Online-Händler eine interessante Werbemöglichkeit: Shopping-Ergebnisse sind bisher kostenlos, prominent sichtbar und dabei noch überaus relevant für potentielle Online-Shopper. Ab dem nächsten Jahr wird sich hier jedoch einiges ändern, Google hat nämlich angekündigt, diesen Dienst nur noch für zahlende Online-Händler anzubieten. Die Vorteile der Shoppingergebnisse für Benutzer und Händler Dabei ist Google Shopping für Onlineshopbetreiber in den meisten Fällen sehr interessant. Die Produktbilder stechen zwischen den normalen Textergebnissen regelrecht hervor und lösen deshalb überdurchschnittlich hohe Klickraten aus. Zudem weist der Traffic über Google Shopping eine überdurchschnittlich gute Conversion-Rate auf. Kurz: der bisher kostenlose Traffic über Google Shopping spielt für Advertiser eine wichtige Rolle. [caption id="attachment_9618" align="alignnone" width="600"] In einer Eye Quant Analyse erreichen die Shopping-Ergebnisse auf der Google Ergebnisseite für das Keyword "Wanderschuhe" 86% Aufmerksamkeeitsstärke.[/caption] Heute stellen deshalb alle großen Onlineshops in der Regel einen Google Shopping Feed bereit. Wird dieser entsprechend optimiert, werden Top Platzierungen wahrscheinlich. Der Anteil am gesamten organischen Traffic, den Shopping erreich kann, ist von Onlineshop zu Onlineshop sehr unterschiedlich. Hier spielen viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, neben dem Optimierungsgrad des Feeds, Anzahl und Qualität der Bewertungen, Konkurrenzlage und Stärke der Website sind die Angebote des Shops sowie die unterschiedlichen Branchen starke Einflussfaktoren. Ein Anteil von 5%-10% am gesamten organischen Traffics ist nicht unüblich. Zum Teil liegt der Anteil aber auch deutlich darüber. Google Shopping wird ab 2013 in Deutschland kostenpflichtig Der schon lange gemutmaßte Fall, solch ein Service würde nicht lange kostenlos bleiben, ist nun eingetreten. Google hat angekündigt, für diesen Service ab 2013 auch in Deutschland auch nach dem Cost per Click Modell abzurechnen. Google begründet diesen Schritt mit einer besseren Qualität, der durch ein kostenpflichtiges Angebot zu erwarten sei. Ganz neu ist die Idee allerdings auch in Deutschland nicht, in den letzten Monaten hatte Google eine Schnittstelle zwischen den Daten aus dem Merchant Center und AdWords geschaffen. Somit konnten diese Daten genutzt werden um Product Listing Ads zu schalten. Wird die Qualität der Shopping-Ergebnisse verbessert? Ob die Qualität der Shopping-Ergebnisse durch die Einführung eines Bezahlsystems zunimmt oder abnimmt, wird in der Branche unterschiedlich diskutiert. Es wird oft gemutmaßt, dass sich viele kleine Onlineshops die bezahlten Shopping Ergebnisse nicht mehr leisten können oder wollen und deshalb die Vielseitigkeit der Angebote verloren geht. Auf der anderen Seite wird bei kostenpflichtigen Anzeigen ein Onlinehändler sicherlich genauer kontrollieren, welche Produkte sich für die Shopping Ergebnisse lohnen und welche nicht. Meiner Meinung wird die Qualität eher steigen, denn Advertiser werden stärker angehalten sein die Daten aktuell zu halten und die  Feeds zu optimieren, um letztendlich bessere Conversion-Rates und ROIs zu erreichen. Solange Besucher gratis akquiriert werden konnten war der Optimierungsdruck weniger vorhanden und Daten nicht immer aktuell. Wird Google Shopping zu einer SEA Disziplin? Ähnlich wie bei den bezahlten Anzeigen, errechnet sich der CPC nach Relevanz und höchsten Klickgebot. Es ist zu erwarten, dass sich die Preise zunächst leicht unter dem Niveau der bezahlten Anzeigen einpendeln. Klar ist auf jeden Fall, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Einblendung von Produkten zukünftig weniger von der Qualität und Optimierung des Datenfeeds abhängt sondern deutlich auch vom Preis, den der Händler für einen Klick bereit ist zu zahlen. Somit wird die Bedeutung von Google Shopping für SEO abnehmen und eher dem Bereich der bezahlten Suchmaschinenwerbung (SEA) zuzurechnen sein. Der Online Händler muss dann genau prüfen, ob und für welche Produkte sich der Dienst im Einzelfall dann noch rentiert. Bleiben kostenlose und kostenpflichtige Einblendungen für den Benutzer unterscheidbar? Google hat es sicherlich nicht versäumt, immer neue Wege der Monetarisierung von Diensten zu finden und diese fast immer auch mit einer über den Preis erwirkten Qualitätssteigerung der Dienst zu verbinden. Im letzten Jahr machte Google bereit den Kartendienst Maps für Unternehmen kostenpflichtig, wenn mehr als 25.000 Seitenabrufe am Tag generiert werden. Durch die Einführung von bezahlten Google Shopping Ergebnissen wurde nun ein sehr großer Schritt in Richtung Kommerzialisierung des Suchergebnisses unternommen. Wie die Shopping Resultate in den deutschen Suchergebnissen zukünftig dargestellt werden, ist allerdings noch nicht endgültig klar. In den USA testet Google die Einblendungen in der  rechten Sidebar über den Textanzeigen. Die Shopping Ergebnisse werden hier auch klar als „Sponsored“ gekennzeichnet, verschmelzen also mit den Product Listing Ads. Somit würde der organische Bereich unter den Top Adwords Anzeigen weiterhin frei von bezahlten Ergebnissen bleiben. [caption id="attachment_9619" align="alignnone" width="600"] Die Shopping Ergebnisse für das Keyword "Hiking Boots" werden unter google.com in der rechten Sidebar über den Textanzeigen angezeigt[/caption] Die Konsequenzen für SEO Google ist immer besser in der Lage, Keywords thematisch zu bewerten und zu kategorisieren. In der Universal-Search, d.h. zwischen den normalen Suchergebnissen des Suchmaschinenriesen Google, werden Shopping Ergebnisse meist nur bei sogenannten Transaction Keywords  angezeigt, also immer dann wenn der Benutzer nach einem Produkt sucht und aller Wahrscheinlichkeit einen Kauf beabsichtigt. Die klassischen Adwords-Anzeigen haben hier in den letzten Jahren stetig zugenommen, insbesondere für die Transactional Keywords wurden die Anzeigen durch neue Features, wie z.B. die Product-Listing-Ads noch prominenter. Mit der Einführung bezahlter Google Shopping Ergebnisse schwindet der nicht kostenpflichtige Bereich u.U. nochmal deutlich. Es wird sicherlich noch schwerer werden, den Traffic zum Nulltarif zu bekommen, wenn es um Keywords geht, die eine Kaufabsicht beinhalten. Für Suchmaschinenoptimierer ergeben sich aus dieser Entwicklung klare Konsequenzen:  
  • Es bleibt wichtig, immer „Up to Date“ zu sein. Neue Möglichkeit zur prominenteren Gestaltung von organischen Ergebnissen sollten frühzeitig erkannt und implementiert werden. Neue Chancen auch mit den organischen Ergebnissen aufzufallen ergeben sich aktuell z.B . durch „Rich Snippets“, welche sich durch Microformate realisieren lassen.
  • Mal wieder gilt: Top Platzierungen werden immer wichtiger. Eine umfassende Keywordstrategie bildet die Grundlage und auf die neuen Bedingungen im Bereich Shopping berücksichtigen.
  • Top Produkte mit den entsprechenden Produktdetailseiten sollten in die Keywordstrategie eingebunden werden. Sind Shopping Ergebnis kostenpflichtig, kann man schließlich noch mit textuellen Ergebnissen ranken und kostenlosen Traffic generieren. Schließlich gibt es auf der ersten Ergebnisseite 10 Textergebnisse und oft nur 3 Shopping Ergebnisse.
  • Andere Universal-Search Ergebnisse wie Bilder- und Videorankings  bergen oft noch ungenutze Potentiale.
Google Trusted Stores und SEO [caption id="attachment_9622" align="alignright" width="150"] Das Google Trusted Stores Logo - Quelle: www.google.com/trustedstores/[/caption] Eine weitere Neuerung im Bereich Google Shopping ist das Vertrauenssiegel „Google Tusted Stores“, welches zunächst nur Händlern in den USA zur Verfügung steht (andere Länder sollen „bald“ folgen). Ähnlich wie bereits etablierte Onlineshop-Gütesiegel stellt Google hier eine eigene Plattform zur Vertrauensgenerierung inklusive Bewertungssystem bereit. Google hat zwar angekündigt, dass „Trusted Stores“ keinen Einfluss auf die organischen Rankings haben wird, aber wer weiß… ganz unlogisch wäre es ja nicht.