Knowledge Graph die Suche ist nicht genug

Es sind unruhige Zeiten für alle, deren Aktivitäten und Geschäfte teils oder ganz von Google abhängen: mehr oder weniger durchdachte Updates, Abmahnungen an Webmaster und zunehmend häufige Änderungen an den Suchergebnisseiten. In der englischen Sprachversion ist nun bereits eine Funktion live, die in der deutschen noch in den Kinderschuhen steckt: der Knowledge Graph.   Was ist der Knowledge Graph? Schon seit langem gibt sich Google nicht mehr damit zufrieden, ein Lieferant von simplen Website-Listen zu sein, die auf eine Anfrage ausgespielt werden. Vielmehr wird versucht, die eigentliche Absicht des Nutzers zu verstehen und entsprechend zu bedienen. Rich Snippets, Universal Search, Sitelinks und verschiedene kleinere Zusatzfunktionen sind die Ergebnisse dieses Bestrebens gewesen. Der Knowledge Graph geht nun noch einen Schritt weiter: Sehr prominent ganz oben rechts platziert gibt er direkte Informationen über den gesuchten Begriff, stellt Verbindungen zu ähnlichen Wörtern oder Themenfeldern bereit oder kann eine Reihe weiterer Features ausliefern.   [caption id="" align="aligncenter" width="561"]Knowledge Graph im Einsatz für das Suchwort "Lemur" Knowledge Graph im Einsatz für das Suchwort "Lemur" (Quelle: Google)[/caption]   So werden zu den Suchbegriffen verwandte Themen oder Personen vorgeschlagen und kurz erläutert. Die Verlinkung der Begriffe führt dabei stets erneut auf eine Google-Suche – so kann man sich durch verschiedene Suchergebnisse durchnavigieren. In vielen Fällen wird über den Ergebnissen eine Extra-Leiste angezeigt, die es z.B. erlaubt zwischen verschiedenen Darstellern eines Films hin- und herzuwechseln oder auch zwischen den Songs und Alben einer Musikband.   [caption id="" align="aligncenter" width="560"]Slider für die Alben der Beatles Slider für die Alben der Beatles (Quelle: Google)[/caption]   Was bedeutet das fürs Suchmaschinenmarketing? Eine gute und bislang schwer zu beantwortende Frage ist: Wie bekomme ich meine Websiteinhalte in den Knowledge Graph? Bislang ist Wikipedia als einzige externe Quelle unter kurzen Sachtexten verlinkt – allerdings auch nicht jedes Mal. Woher Google allerdings die Informationen wie Tourdaten von Bands, Wetter in Regionen oder wissenschaftliche Klassifikationen von Pflanzen bekommen, ist unklar. Gut möglich, dass die Informationen einfach aus verschiedenen Websites zusammengetragen und aufbereitet werden. Ohne Quellenangabe dürfte dies sehr heikel für Google werden, gerade da derzeit bereits über die organischen Suchergebnisse eine Debatte über das Leistungsschutzrecht läuft. In dieser wird kritisiert, dass Google sich unerlaubt Textsnippets der Website zieht. Das dürfte auch im Fall der Einführung des Knowledge Graph ein kritischer Aspekt sein.   Was passiert mit den bezahlten Anzeigen? Durch den Wegfall von Werbefläche, die bislang von AdWords-Anzeigen belegt wurde, steigt in diesem Bereich natürlich massiv der Konkurrenzdruck. Waren zuvor noch direkt rechts neben den Suchergebnissen Anzeigen zu finden, bleiben bei Erscheinen des Knowledge Graph nur noch die oberen drei Platzierungen – die restlichen Anzeigen verschwinden unter der Infobox oder gar unter den organischen Ergebnissen. Sicher wird Google nicht auf seine Einnahmequelle in Form der AdWords-Anzeigen verzichten, dennoch wird für die Publisher das Leben etwas schwerer gemacht.   [caption id="" align="aligncenter" width="515"]Position der AdWords-Anzeigen bei Erscheinen des Knowledge Graph Position der AdWords-Anzeigen bei Erscheinen des Knowledge Graph (Quelle: Google)[/caption]   Wie geht es weiter? Dass der Knowledge Graph auch in anderen Sprachen integriert werden soll, ist so gut wie sicher. Wann das passiert, darüber schweigt sich Google noch aus. Da das Erscheinen des Knowledge Graph noch stark unregelmäßig ist je nach Standort und Suchhistorie des Nutzers, sind weitere Änderungen und Verbesserungen in der nächsten Zeit sehr wahrscheinlich. In jedem Fall bleibt es spannend und eine wichtige Google-Funktion, welches im Auge behalten werden sollte.