iProspect Logo

IP Adressen sind mir vollstaendig wurscht

„IP-Adressen sind mir vollständig wurscht!“ Zitat von Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit.
 
Wer sich jetzt ungläubig die Augen reibt und sich fragt, ist Peter Schaar Opfer einer Gehirnwäsche geworden, wird im folgenden Blogbeitrag die (beruhigende) Antwort finden. Der eMetrics Summit und die SMX, die zeitgleich vom 23. bis 24. März 2010 in München stattfanden, boten dem Reizthema Datenschutz im Zusammenhang mit Tracking, Re-Targeting (Behavioral Advertising) und Cookies ein breites Podium: In der einzigen gemeinsamen Keynote-Session, die von Ossi Urchs, Urgestein des Online Marketings, moderiert wurde,  trug Peter Schaar seine Sicht sehr überzeugend vor.
 
 
Er verdeutlichte, dass seine Sorge nicht der IP-Adresse als solcher gilt, sondern in letzter Konsequenz dem Recht des Users auf informationelle Selbstbestimmung in einer demokratischen Informationsgesellschaft. Ihm genügt auch nicht das von Kimon Zorbas, seines Zeichens Vice President von iab.europe in seiner Replik beschriebene Vorhaben, durch „education“ für Transparenz zu sorgen, indem Usern verständlich gemacht wird, was Cookies sind, welchen Nutzen sie haben und auch wie man sie löschen kann. Der Datenschutzbeauftragte gab klar zu verstehen, „Transparenz reicht nicht!“ Er fordert Transparenz plus Kontrolle in Form von Wahlmöglichkeiten durch und für den Nutzer selbst.
 
Die Diskussion entzündete sich u. a. um die Auslegung der ePrivacy Richtlinie der EU: Gibt der Nutzer seine Zustimmung zum Setzen von Cookies womöglich bereits durch seine Browser-Sicherheitseinstellungen zur Akzeptanz von Cookies? Die gesetzliche Umsetzung durch die Mitgliedsstaaten der EU wird noch spannend werden.
 
Das Thema Opt-Out wurde ebenfalls berührt. Unter Opt-Out im Bereich Web Analyse versteht man die Möglichkeit, durch Klicken eines Links das Tracking und damit die Sammlung des Surfverhaltens auf der Webseite zu verhindern. Selbst diese Variante greift nach Ansicht von Herrn Schaar noch zu kurz. Er fordert ein Opt-In, also eine Lösung, die vom User eine aktive Zustimmung zur Datenerhebung verlangt.
 
Smx Schaar
 
Yahoo! Web Analytics, das vormalige Indextools, bietet als erstes Tool bereits seit geraumer Zeit genau diese Option an und verlangt von seinen Kunden sogar, genau diese Option auf der Website unter den Datenschutzrichtlinien einzubinden. Auch Google Analytics, das immer mehr unter Beschuss gerät, steht angeblich kurz vor der Veröffentlichung eines Opt-Outs durch Browser Plugin.
 
Google Analytics hat mit dem zusätzlichen Problem zu kämpfen, dass die erhobenen Daten zum Zwecke der Auswertung in die USA übermittelt werden, was nach dem Landesbeauftragten für Datenschutz des Landes Rheinland Pfalz einer Zustimmung des Nutzers bedarf. Dies ist übrigens ein weiterer Grund neben der Verwendung der vollständigen IP Adresse zur Geolokalisation, warum der Datenschutzbeauftragte zum Schluss kommt, dass Google Analytics nicht datenschutzkonform ist.
 
Die Frage, ob die IP-Adresse ein personenbezogenes Datum ist, wird die Gesellschaft sicherlich noch solange umtreiben bis eine höchstrichterliche Instanz dies endgültig klärt. Dass Google sich der Brisanz des Themas für seine kostenfreie Web Analyse Lösung Google Analytics bewusst ist, zeigte die massive Präsenz des Anbieters. Eine beträchtliche Anzahl von Mitarbeitern war vertreten, ob Mitarbeiter aus Mountain View, dem Google Headquarter, London oder beflissene junge Menschen, die gefährlich stickende orange „Turnbeutel“ verteilten, auch eine Google Analytics Walk-in Clinic mit sehr kompetenten und freundlichen Mitarbeitern (-> Liebe Grüße an Jos Meijerhof) war Teil der Offensive.
 
Der deutsche Datenschutz wird sich vermutlich auch wenig beeindruckt von der Bekanntgabe vom 17. Februar 2010 zeigen, wonach die US Bundesbehörde „General Services Administration“ (GSA) Google Analytics auf der Seite apps.gov aufführt. Google Analytics sei kompatibel mit den Sicherheitsanforderungen von US Bundesbehörden wie beispielsweise der Homeland Security, NASA etc.: http://analytics.blogspot.com/2010/02/powerful-flexible-secure-and-now.html
 
Auch US-amerikanische Anbieter kostenpflichtiger Tools am deutschen Markt reagieren auf das Thema Hosting der erhobenen Daten in Übersee: Auf Kundennachfrage offerieren manche der Anbieter (z.B. Unica) das Hosting auf Servern in der EU, meist UK an.
 
Deutsche Premium Anbieter wie zum Beispiel das Berliner Unternehmen Webtrekk profitieren von der zunehmenden Sensibilisierung  des deutschen Markts und spielen die Karte Datenschutz offensiv aus: Ende Januar gab Webtrekk bekannt, dass ihre Web Analyse Lösung Q3 das Siegel für geprüften Datenschutz des TÜVs Saarland erhalten hat, das die Datenschutzkonformität und Sicherheit des Tools belegt.
 
explido ist sich sicher, das Thema wird uns in 2010 weiter beschäftigen und Sie können sich sicher sein, dass wir am Ball bleiben.
 
 
Uta Hermanns
Senior Consultant Web Analytics